Interview mit Marc Llistosella: „Klarheit ist zum Nachteil geworden“
München. 120 Jahre ist der Bremsenhersteller Knorr-Bremse alt, seit zwei Jahren steht Marc Llistosella an der Spitze und richtet den Traditionskonzern neu aus. Doch das reicht dem ehemaligen Daimler-Manager nicht. Der gebürtige Kölner mit katalanischen Wurzeln schaltet sich auch gerne in die deutschen Standortdiskussionen ein.
„Wir versuchen, mit den höchsten Energie- und Arbeitskosten die Produktion von Stahl und Autos zu halten. Das wird uns nicht helfen“, sagt Listosella. Er fordert vielmehr, dass sich Deutschland radikal auf Hochtechnologie konzentriert. Weil selbst Bewerber mit Hochschulabschluss keinen Dreisatz mehr beherrschten, mahnt er eine Bildungsoffensive an.
Und auch die Themen Migration und Demografie müssten in Deutschland ideologiefrei diskutiert werden. Sonst erodiere der Wohlstand wie in Japan – dem Land, in dem er lange gelebt hat.
Nur wenn die Probleme offen angesprochen werden, könnten sie gelöst werden. Das gelte für die Gesellschaft wie für Knorr-Bremse. „Ein Kuschelkurs bringt uns da nicht weiter“, verteidigt Llistosella sein bisweilen robustes Auftreten.