Spionage: Verstärkte China-Spionage alarmiert Bundesregierung
China ist praktisch an jeder Neuentwicklung interessiert, wobei der Schwerpunkt auf Halbleitern und militärisch verwertbaren Technologien liegt.
Foto: Moment/Getty ImagesBerlin. Deutsche Sicherheitsbehörden sind wegen zunehmender Industriespionage durch China alarmiert. So soll Peking immer häufiger Gastwissenschaftler, die in Deutschland forschen und arbeiten, mit der Beschaffung sensibler Informationen beauftragen.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sprach von einer „erheblichen Gefahr“ durch chinesische Spionage in Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft. Das Vorgehen ist Ermittlern zufolge oft identisch: Über Wissenschafts-Kooperationen werden chinesische Doktoranden an einzelnen Projekten in deutschen Unternehmen beteiligt. Haben die Gastwissenschaftler einmal Zugang zu den Firmen und zu deren IT-Systemen, versuchen sie, an Informationen über weitere Forschungsprojekte zu gelangen.
Der Verdacht besteht schon länger, doch konkrete Fälle wurden äußerst selten publik. Nun berichten deutsche Sicherheitskreise dem Handelsblatt von einem 2020 entdeckten Fall, der die Behörden bis heute beschäftigt. Dabei soll ein Wissenschaftler aus China im Staatsauftrag ein norddeutsches Medizintechnik-Unternehmen ausspioniert haben.
Der bislang unter Verschluss gehaltene Vorgang zeige exemplarisch die Gefährdungslage mit Blick auf den Know-how-Abfluss durch chinesische Gastwissenschaftler, hieß es.
Der Fall dürfte auch die Vorbereitungen der für den 20. Juni geplanten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen belasten. Im Vorfeld sprechen die deutschen Ministerien mit ihren chinesischen Pendants – auch um Felder für Kooperationen auszuloten.